Verwaltungswebseiten in Russland bürgernäher als in der Schweiz

E-Governance-Studie


Die russische Verwaltung schneidet online besser ab als Schweizer Bundesdepartemente und -ämter. Die russischen Internet-Auftritte decken die Interessen der Bevölkerung besser ab als jene in der Schweiz, wie eine Studie von Forschern aus beiden Ländern zeigt.
Die Forscher um Christoph Glauser vom Institut für Angewandte Argumentenforschung (IFAA) analysierten mit computergestützten Inhaltsanalysen sämtliche Departemente und Bundesämter der Schweiz, wie das IFAA am Montag mitteilte. In Russland wurden alle Ministerien, Agenturen und Dienststellen der Regierung gemessen.
Das Team, zu dem auch Wissenschaftler der ETH Lausanne und der Universität Moskau gehörten, verglich Angebot und Nachfrage: Je besser die Inhalte einer Webseite mit den im Internet via Suchmaschinen gesuchten Themen übereinstimmen, desto bürgernäher ist der Internet-Auftritt.

Bürgernahe Deza

Es zeigte sich, dass die russischen Ämter die Interessen der Nutzer leicht besser abdecken als die schweizerischen Bundesstellen. Laut den Forschern haben allerdings beide Länder noch viel Potential: Nur wenig mehr als die Hälfte der angebotenen Informationen werden von Nutzern überhaupt aktiv gesucht im Internet.
Laut der Studie die beste Webseite in der Schweiz bietet die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) an. Schwach schneidet dagegen die Eidgenössische Alkoholverwaltung ab. Die beste russische Webseite hat der staatliche Pensionsfonds, die schlechteste der föderale Steuerdienst.
Beim Vergleich der beiden Länder fanden die Forscher auch deutliche Unterschiede in den Kommunikationsschwerpunkten: In Russ­land wird sehr häufig über Militär-, Geld-, Staats- und Gesetzesthemen geschrieben, in der Schweiz dominieren Wirtschafts-, Energie-, Arbeits- und Verkehrsthemen die öffentliche Kommunikation.

Teuer und schwerfällig

Laut der Mitteilung werden in der Schweiz oft teure Techniken für Internet-Auftritte eingesetzt, zum Beispiel von Microsoft, IBM oder Oracle. In Russland dagegen haben sich meistens sogenannte Open-Source-Technologien durchgesetzt, die in bezug auf Bürgernähe oft besser funktionieren, weil sie weniger schwerfällig sind.
Zusätzlich besteht in Russland ein Gesetz, wonach die öffentliche Verwaltung sämtliche für den Bürger relevanten Informationen online zur Verfügung stellen muss. Das hat zur Folge, dass wesentlich mehr Informationen auch via Suchmaschinen erschlossen und gefunden werden können.    •

Quelle: sda vom 5.12.2011