Bestehende Technologien sinnvoll nutzen und weiterentwickeln

Kinder und Jugendliche auf die Lebensrealitäten vorbereiten

Dringender denn je ist es geboten, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen an die Lebensrealitäten heranführen und altersgerecht auf die anstehenden Menschheitsaufgaben vorbereiten. Der tägliche Blick in die Zeitung lehrt uns, vor welch grossen Herausforderungen die Menschheit im 21. Jahrhundert steht: die Frage von Krieg und Frieden in einer Welt voller Waffen, die verheerender in ihren Auswirkungen nicht sein könnten; die Frage der Demokratie und wie man diese in Zukunft erhalten will; die gerechte Verteilung der Ressourcen, angefangen bei der Nahrung bis hin zu den Bodenschätzen; die Energiefrage, wie man neue Ressourcen erschliesst und neue Energieträger entwickeln, gleichzeitig die Umweltbelastungen reduzieren kann, damit die Menschen in 100 Jahren einen lebenswerten Planeten vorfinden; die Schonung unserer Landschaften und der sorgsame Umgang mit dem Wasser und vieles mehr. Das sind die Herausforderungen, vor denen wir und nachfolgende Generationen stehen. Das Ökozentrum Langenbruck leistet hierbei im Rahmen seiner Möglichkeiten einen sinnvollen und bewundernswerten Beitrag.

thk. Themen wie Zauberei, Piraten, Hexen und andere Phantastereien helfen bei der Lösung anstehender Probleme nicht weiter. Im Gegenteil, sie führen unsere Kinder weg vom Menschen und der menschlichen Gemeinschaft in das Reich der Phantasie und hinterlassen katastrophale Auswirkungen in deren Gemüt, was bis hin zur Förderung rassistischen Gedankengutes führt.
Anstatt sich mit Lebenspraktischem zu befassen, träumen die Kinder und Jugendlichen von übermenschlichen Kräften und Fähigkeiten, die es schlichtweg nicht gibt, und was sich in der Konsequenz lähmend und destruktiv auf sie selbst und die Umgebung auswirkt. Das ist für eine aufgeklärte Gesellschaft wie die unsere inakzeptabel und verabscheuungswürdig.
Das heisst nicht, dass man dem Kind seine Verspieltheit und seine Fähigkeit zur Phantasie nehmen soll, aber die Frage stellt sich hier doch in aller Klarheit, was soll aus unseren Kindern und Jugendlichen einmal werden? Soll die Gabe zur Phantasie und die kindliche Verspieltheit in eine konstruktive Richtung gelenkt werden, oder soll sie letztlich der Destruktion und der Zerstörung menschlicher Werte dienen? Wollen wir kreative und konstruktive Mitspieler in unserer Gesellschaft, die sich schon früh die Voraussetzungen aneignen, um als Erwachsene die anstehenden Probleme in Angriff zu nehmen und am gesellschaftlichen Fortschritt mitzuarbeiten, oder wollen wir Menschen, deren Aktivitäten vor allem um sie selbst kreisen, wie wir es heute schon viel zu oft haben, und keine konstruktiven Mitspieler in unserer Demokratie und damit Stützen unserer Gesellschaft werden?
Vorgängige Generationen haben bewiesen, wozu die Menschen fähig sind. Die Entwicklung des Schweizer Bundesstaates seit seiner Konstituierung legt ein beeindruckendes Zeugnis darüber ab, wie sich die Bevölkerung aus bitterer Armut heraus ihre Freiheit erkämpft und einen Wohlstand erschaffen hat.
Um so erfrischender und zukunftsweisender ist es, wenn es Organisationen gibt, die auf naturwissenschaftlichem Boden stehen und im stillen, aber nicht weniger effizient, Verantwortung für den Fortschritt im ökologischen Bereich übernommen haben und die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen und somit an die Traditionen schweizerischen Schaffens und Forschens anknüpfen.

Bestehende Technologien alltagstauglich machen

Im schmucken Städtchen Langenbruck, eingebettet ins Basler Jura, wirkt seit 33 Jahren das Ökozentrum. In verschiedenen Bereichen wird an neuen Technologien geforscht und besonders die Nutzung und Erforschung erneuerbarer Energiequellen steht im Zentrum der Aktivitäten.
Am 21./22. September führte das Ökozentrum einen Tag der offenen Tür durch. Nach einjähriger Umbauphase präsentierte es der Öffentlichkeit eine neue 200 Quadratmeter grosse und 9 Meter hohe Forschungshalle, die nach neuesten energetischen Konzepten erstellt wurde. Hier forschen und arbeiten die 20 Mitarbeiter des Ökozentrums, und diese sind massgeblich an der Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien beteiligt.
In dieser Forschungshalle wird unter anderem das Elektro-Auto Smile montiert. Im Mai 2011 präsentierte das Ökozentrum den kleinen Flitzer der Öffentlichkeit (vgl. Zeit-Fragen Nr. 20 vom 16.5.2011). Er war auch an diesem Wochenende der grosse Publikumsmagnet. An der Entwicklung des Smile lässt sich der Grundsatz des Ökozentrums gut erkennen. Wie Projektleiter Mario Vögeli klar sagte: «Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern bestehende Technologien sinnvoll zu nutzen und alltagstauglich zu machen.» So wurde der Smile aus verschiedenen bereits bestehenden Komponenten zusammengesetzt und zu einem serienfähigen Fahrzeug weiterentwickelt.

Ideen müssen auf die Lebensverhältnisse der Menschen ausgerichtet sein

Doch nicht nur die Weiterentwicklung von Bestehendem gehört zum Forschungsfeld des Zentrums. Ein Aggregat, Aactor !GT, zur Restenergiegewinnung, der sogenannten Schwachgasnutzung, wurde im Ökozentrum entwickelt und produziert. Der Einsatz von Aactor !GT soll verhindern, dass umweltschädliche Gase aus Abfalldeponien in die Atmosphäre gelangen und dass das schwache Deponiegas zur Energiegewinnung verwendet werden kann. Auch hier werden bestehende Teile verwendet wie zum Beispiel der Turbo eines Automotors.
Auch in der Entwicklungszusammenarbeit ist das Ökozentrum Langenbruck tätig. Ein Projekt in Burkina Faso unterstützt den wichtigen Wirtschaftszweig der Früchtetrocknung, insbesondere von Mango. Dabei dient eine einfache Wärmepumpe als Kondensationstrockner, die den Früchten schonend die Feuchtigkeit entzieht. Das Ökozentrum hat einen Früchtetrockner dazu entwickelt und konstruiert, der mit einem auf dem Schweizer Markt erhältlichen Aggregat ausgestattet ist. Damit diese Trocknungsmaschine in Entwicklungs- und Schwellenländern sinnvoll eingesetzt werden kann, müssen die Länder in die Lage kommen, das Wärmepumpenaggregat selbst herstellen zu können. Der Projektleiter des Ökozentrums ist hier sehr optimistisch, dass das gelingen wird. Zweimal im Jahr fährt er nach Afrika, um mit den Menschen vor Ort die Trocknungsanlage weiterzuentwickeln und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung in Burkina Faso anzupassen.
Auch das ist ein Grundsatz des Ökozentrums. Die Ideen müssen in den entsprechenden Ländern umgesetzt und auf die Lebensverhältnisse und Bedürfnisse der Menschen dort ausgerichtet werden. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Diese und noch weitere Projekte des Ökozentrums konnte man am Tag der offenen Tür bestaunen und sich erklären lassen.

Kinder und Jugendliche für verantwortungsbewussten Konsum sensibilisieren

Das Ökozentrum möchte aber nicht nur direkt und effizient Hilfe leisten oder mit sinnvollen Projekten Energieeffizienz bewirken, sondern auch unsere Kinder und Jugendlichen altersgerecht an diesen Themen- und Forschungsbereich heranführen.
Besonders beliebt sind bei Schülern die sogenannten Energie-Erlebnistage. Hier werden ganze Schulklassen an die Thematik der Energiegewinnung und -versorgung herangeführt (vgl. Kasten).
Seit dem Frühjahr 2012 bietet neben der Stadt Basel auch die Regionalgruppe der Stadt Bern die Stadtführung KonsumGlobal für Schulklassen an. Hier sollen die Jugendlichen für einen verantwortungsbewuss­ten Konsum sensibilisiert werden. Die Frage: «Was hat der Kauf eines Handys mit Konflikten im Kongo zu tun?», verspricht eine spannende Auseinandersetzung über die Konflikte in unserer Welt und deren Zusammenhänge bis hinein in unserer Privatsphäre.
Wer auf die Homepage des Ökozentrums (www.oekozentrum.ch) geht, findet noch weitere Projekte und Angebote, nicht nur für Schüler, sondern auch für Erwachsene. Ein Blick dort hinein lohnt sich.
Die Arbeit des Ökozentrums ist innovativ und effektiv, weil man sich bei der Auswahl und Ausgestaltung der Projekte an den jeweiligen Lebensrealitäten der Menschen orientiert. Dabei geht es nicht darum, alles nochmals neu zu erfinden, sondern Bestehendes sinnvoll zusammenzufügen und auf seine Alltagstauglichkeit zu prüfen. Es geht nicht um einen umweltpolitischen Dogmatismus, sondern ein gemeinsames Suchen nach Lösungen und ein sinnvolles Weiterentwickeln von Bestehendem.     •

Energie-Erlebnistage

Das Ökozentrum Langenbruck übernimmt die Planung und die Durchführung des Energie-Erlebnistages. Die Mitarbeit der Lehrkräfte ist für den Erfolg jedoch unerlässlich. Von Vorteil sind begleitende Lektionen zur Energiethematik im voraus oder im nachhinein.
Der Energie-Erlebnistag eignet sich sehr gut als Auftakt zur Auseinandersetzung mit Energiefragen.
Da die Bedürfnisse der Schulklassen sehr unterschiedlich sind, ist der Erlebnistag in verschiedene Module gegliedert, die je nach Wissensstand der SchülerInnen frei kombiniert werden können.
Ein Modul dauert eine Schulstunde (ca. 45 Minuten), so dass ein Erlebnistag von einem halben bis zu einem ganzen Tag zusammengestellt werden kann.
Beispiele:
2–4 Module ergeben einen halben Tag (Vor- oder Nachmittag) für 1–4 Klassen.
2–4 Module ergeben einen ganzen Tag für 5–8 Klassen.
Die Dauer des Energie-Erlebnistages hängt von der Anzahl teilnehmender Gruppen ab. Die Module können gleichzeitig stattfinden und mehrere Klassen/Gruppen rotieren innerhalb des Parcours

www.oekozentrum.ch

 

Mandat Abfallunterricht für Schulen

Im Abfallunterricht lernen Schülerinnen und Schüler konkret, praktisch und spannend aufgebaut einen verantwortungsvollen Umgang mit Abfall und Ressourcen. Eigens für dieses Thema ausgebildete Fachlehrkräfte besuchen Kindergärten, 2., 5. und 8. Klassen und gestalten mit Spielen, Quiz und Gruppenarbeit einen abwechslungsreichen und erlebnisorientierten Unterricht zu Themen wie Abfallentsorgung, Recycling, Littering, bewusstem Konsum und Ressourcen. Das Angebot können Kindergärten und Schulen nutzen, deren Schulgemeinde sich am Abfallunterricht beteiligt. Für diese Klassen ist der Unterricht kostenlos, da er über die Abfallrechnung der Gemeinde oder des Abfallzweckverbandes finanziert wird. Der Abfallunterricht ist ein Projekt von Pusch,* das Ökozentrum Langenbruck ist für die Organisation in den Regionen Zofingen, Solothurn und Laufental zuständig.

*    Seit 20 Jahren sensibilisiert die Stiftung Pusch ­Kinder und Jugendliche für einen bewussten Umgang mit unseren Abfällen und Ressourcen. Umweltlehrpersonen vermitteln Wissen zur Abfall­entsorgung, zum Recycling sowie zur Bedeutung von Rohstoffen und ihrer Herkunft. Das Angebot richtet sich an Kindergärten, 2., 5. und 8. Klassen

www.umweltschutz.ch/index.php?pid=50