«Global+» und «Eine Welt» gehören in jedes Schulzimmer

Entwicklungszusammenarbeit als Bestandteil des Unterrichts

ev./thk. Wer als Oberstufenlehrer oder Dozent in einem offenen Dialog mit der Jugend steht und selbst am Leben in seiner näheren und weiteren Umwelt Anteil nimmt, weiss, dass junge Menschen sehr empfänglich sind für menschliche und soziale Fragen. So stösst man immer wieder auf Beispiele Jugendlicher oder Heranwachsender, die sich aus eigener Initiative oder auf Anregung anderer vorgenommen haben, den eigenen Horizont zu erweitern, andere Menschen und Länder selbst kennenzulernen oder etwas zu einer gerechteren Welt beizutragen. Junge Menschen suchen und brauchen einen Sinn im Leben. Es ist an uns, den Erwachsenen, diese jugendliche Offenheit aufzunehmen und mit ihnen gemeinsam den Blick auf die Welt zu richten. Anstatt unsere Jugend aufgrund falscher Vorstellungen einer besonderen «Jugendwelt» und «Jugendkultur» einer oft sinnentleerten Computerwelt oder hohlem Partyleben zu überlassen, werden wir ihnen weit mehr gerecht, wenn wir sie als unsere zukünftigen Mitbürger ernstnehmen, mit denen wir die anstehenden Fragen unserer Welt  gemeinsam angehen müssen. Für diese Aufgabe geben die im folgenden kurz vorgestellten Zeitschriften allen Lehrern ausgezeichnetes Material an die Hand.
Zum einen ist dies die Zeitschrift «Global+», herausgegeben von Alliance Sud, der Dachorganisation verschiedener Hilfswerke in der Schweiz, und zum andern «Eine Welt» die Vierteljahrschrift der Schweizerischen Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza). In beiden Zeitschriften erfahren jugendliche und erwachsene Leser sozusagen aus erster Hand von den grossen Problemen und Nöten, denen sich die Menschen in den einzelnen Entwicklungsländern gegenübersehen, und wie mit Hilfe der Entwicklungszusammenarbeit und dem Engagement vieler Menschen den Betroffenen geholfen werden kann.
«Global+» macht zum Beispiel auf Probleme aufmerksam, die sich für die Entwicklungsländer ergeben, wenn sich die Entwicklungshilfe nicht an den Bedürfnissen der Länder, sondern vor allem am Gewinn der «helfenden» Konzerne orientiert. So werden von global tätigen Firmen Klima- und Umweltschutz-Gesetze zu wenig beachtet, oder es wird zu wenig Wert auf die Einhaltung internationaler Standards in bezug auf die Arbeitssicherheit gelegt. Der jugendliche Leser kann hier mitdenken und überlegen, was es an verbindlichen Regeln braucht, die auch von ausländischen Firmen eingehalten werden müssen.
In einem weiteren Bericht kommt die Einhaltung der Menschenrechte zur Sprache und die Frage, welchen Beitrag weltweit operierende Konzerne – auch aus der Schweiz, für die unsere Heranwachsenden dereinst vielleicht tätig sind – hierzu leisten können, so dass die Menschenrechte gerade auch in den ärmeren Ländern mehr beachtet werden.
«Eine Welt» führt den Leser mit der Darstellung segensreicher Hilfsprojekte an die anspruchsvolle Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit heran. Während man früher die Erfahrungen der einheimischen Bevölkerung oft viel zu wenig berücksichtigt und in die Hilfsprojekte einbezogen hat, ist die heutige Entwicklungszusammenarbeit, wie der Name schon sagt, auf das gemeinsame Lösen der anstehenden Aufgaben ausgerichtet. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe und verlangt die Fähigkeit, die Kultur und die Bedürfnisse der betroffenen Menschen zu verstehen, um somit konkrete Hilfe leisten zu können. Die Zusammenarbeit zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Mitarbeitern der Deza zeigt den Schülern auf, wie unterschiedliche Kulturen gemeinsam Probleme angehen und lösen können, und bietet ihnen damit eine Anleitung, die sie in ihrem eigenen Leben umsetzen können.
Die Berichte aus den Ländern, in welchen die Deza aktiv ist und die in «Eine Welt» publiziert werden, geben uns einen Einblick in das erfolgreiche Wirken der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit.
Beide Zeitschriften geben auch und gerade jungen Menschen einen realistischen, Mitgefühl und Verantwortungsgefühl ansprechenden Einblick, mit welchen Widrigkeiten die Menschen in verschiedenen Regionen auf unserem Globus zu kämpfen haben, von denen wir in den Industrieländern meist kaum eine Vorstellung haben. Doch bleiben die Autoren nicht dabei stehen, das Elend zu beschreiben, sondern zeigen die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit auf und wie sich die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Ländern verbessern. Dabei kommen Fragen der Ökologie, der Landwirtschaft, der Wasserversorgung, der Infrastruktur usw. zur Sprache.
Für den Schulunterricht bietet die Deza herrliches Schulmaterial an, das Lehrern wie Schülern anschaulich und lebendig in die aktuellen Probleme einführt. So sind verschiedene DVD erhältlich, auf denen Projekte der Entwicklungszusammenarbeit vorgestellt und dokumentiert werden. Auch ein Lehrmittel ist erhältlich, das aus neun Modulen besteht und sich sehr gut eignet, um bei Schülern ab der Oberstufe das Interesse an der Entwicklungszusammenarbeit und Verständnis für die betroffenen Völker zu wecken.
In beiden Zeitschriften finden sich ausserdem geeignete Beispiele, die man direkt in den Unterricht einbeziehen kann. Sie sollten in jeder Schulstube Verwendung finden und in keiner Schul- und Lehrerbibliothek fehlen.    •