Der faschistischen Gesinnung keinen Millimeter nachgeben

von Karl Müller

In Adolf Hitlers «Mein Kampf» ist zu lesen: «Die Psyche der breiten Masse ist nicht empfänglich für alles Halbe und Schwache.» Die Masse liebe «mehr den Herrscher als den Bittenden und fühlt sich im Innern mehr befriedigt durch eine Lehre, die keine andere neben sich duldet, als durch die Genehmigung liberaler Freiheit; sie weiss mit ihr auch meist nur wenig anzufangen und fühlt sich sogar leicht verlassen. […] So sieht sie nur die rücksichtslose Kraft und Brutalität ihrer zielbewuss­ten Äusserungen, der sie sich endlich immer beugt.»
Vor wenigen Tagen war in einer namhaften deutschsprachigen Tageszeitung zu lesen: «Donnerschlägen gleich hat der neue Präsident der USA mit militärischen Angriffen in Afghanistan und Syrien signalisiert, dass mit ihm als Akteur in der Weltpolitik zu rechnen ist. Mit den beiden Aktionen verschafft sich Donald Trump einen gewissen Respekt – nicht nur im eigenen Land …» In der Tat – zumindest bei den Oberen der Nato-Staaten.
Die oben zitierte Tageszeitung lässt aber auch den eigentlich wichtigen Satzteil folgen: «… auch wenn diese weder in Syrien noch in Afghanistan Wesentliches zur Konfliktlösung beitragen.»
In den vergangenen 250 Jahren haben die Angelsachsen Hunderte von Kriegen geführt – mehr als alle anderen Staaten der Welt. Der Grundsatz, Konflikte mit Gewalt zu beantworten, scheint bislang eine Konstante angelsächsischer Politik zu sein. Hermann Ploppas 2008 geschriebenes und sorgfältig recherchiertes Buch mit dem Titel «Hitlers amerikanische Lehrer. Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus», das sich vor allem auf den Rassismus bezieht, könnte gut um ein Kapitel ergänzt werden, nämlich eines über die Vergötterung von Macht und Gewalt.
Indes: Es gibt keinen Grund dafür, sich als Kontinentaleuropäer (oder Nichteuropäer) darüber zu stellen. Jeder kann sich die Frage stellen, wie er auf Macht und Machtmenschen reagiert. Welche Reste einer inneren Unterwerfung unter diejenigen, die so überaus kräftig wirken und mit markigen Worten und Taten auftreten, gibt es noch? Auch die Weltgeschichte ist voll von Cäsaren und Kraftmenschen. Die Macht zu fürchten und zugleich zu «bewundern», auch einmal richtig «mächtig» sein zu wollen … sind wir hundertprozentig dagegen gefeit?
Dabei wissen wir sehr genau, wenn wir ernsthaft nachdenken: Macht- und Gewaltpolitik löst nicht nur in Syrien und Afghanistan die Probleme nicht. Deshalb ist es überlebenswichtig, was Willy Wimmer schreibt: «Jetzt bleibt nur eins: sich von den angelsächsischen Machteliten lösen» … und sich nicht noch einmal in einen Krieg hineinziehen zu lassen … an dessen Ende unser aller Vernichtung stehen kann.
Aber das kann nur nachhaltig sein, wenn auch die kontinentaleuropäischen Staaten ihre Politik grundsätzlich ändern. Der nach dem Austritt der Briten verbleibende Rest der EU bietet keine Zukunftsperspektive. Die EU wird sich zwar nicht von heute auf morgen auflösen lassen – und die Frage nach der Alternative bedarf einer gründlichen Debatte. Wichtig aber ist, dass die Bürger diese Debatte führen und sie nicht den «Eliten» überlassen. Allein schon die Tatsache, dass die Bürger eine ehrliche, offene und gleichwertige Debatte führen, ist die beste Prävention gegen den kaninchenartigen Blick auf die Schlange … und die Grundlage für ein neues Europa – eines, das an die besten Traditionen Europas anknüpfen kann und deren Ergebnis der freiheitliche, demokratische und soziale Rechtsstaat war, der gleichberechtigte Beziehungen zu allen anderen Staaten und Völkern pflegt und dem das Verhandlungs- und Friedensgebot Gesetz ist.    •